20. April 2019

NOTRE DAME DE PARIS
Was ist passiert? Eine Kathedrale stand in Flammen und bleibt als Ruine zurück. Es ist nicht irgendeine Kathedrale. Sie ist das Herzstück eines Landes seit 800 Jahren. In ihr wurden Könige und Kaiser gekrönt.Von ihr aus werden die Entfernungen im Land berechnet.Sie wird jährlich von 17 Millionen Menschen besucht.Sie ist das Herzstück von Frankreich, der „ältesten Tochter der Kirche“. So nennen die Gläubigen ihr Land. Aber nicht nur Christen sind erschüttert. Ein ganzes Land trauert, auch Atheisten und Agnostiker, denn Notre Dame steht auch für einen Teil ihrer Identität. Das Christentum hat auch in ihnen Spuren hinterlassen in dem, wie sie denken und fühlen, in ihrem Mit-Bewussten und Unbewussten, in ihrer Art zu leben.Die Trauer kommt nicht bloß aus der Erkenntnis ein hohes Kulturgut verloren zu haben. Die Trauer kommt aus einem tieferen Seelengrund, als man bisher vermuten konnte.
Notre Dame wird wieder auferstehen nicht nur durch die Millionen, die gespendet werden.

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15. April 2019

Lebensfreude
Ich war in Eile unterwegs zu einem Besuch und sah das Schild von Lidl. Noch schnell Blumen kaufen! Die junge Kassiererin saß allein an der Kasse und lachte, als ich mit meinem Strauss in der Hand auf sie zulief und sagte: „Wie schön, dass sie mir Blumen schenken wollen“. Für einen scherzhaften Moment traten wir beide aus unserer Käufer-Verkäufer-Rolle heraus. Als ich dann versuchte, eine Blume aus dem festgebundenen Strauß herauszunehmen, ging das nicht. Sie lachte und meinte: War ja nur ein Scherz!
Manchmal tut es uns gut, wenn wir im Alltag Theater spielen können, auch nur für einen Augenblick…

„Es war doch immer dasselbe Kind, auf das wir uns schon so lange gefreut hatten, und es wird auch immer dasselbe bleiben“, sagte lächelnd eine Mutter, die ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt gebracht hatte. Nun geht das Kind schon in die Schule und spielt begeistert in einer Fußball-Mannschaft. Emma lacht viel und macht seinen Eltern viel Freude.

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10. April 2019

Wir können uns der letzten Geheimnisse nicht anders versichern als durch einen kühnen Sprung in die Tiefe. Dieser Sprung ist ein ungeheures Wagnis, er bedeutet eine ganz persönliche Entscheidung, aber wir dürfen sie trotz aller Gefährlichkeit und scheinbarer Ungewissheit getrost vollziehen, denn es ist kein blinder Zufall, dass wir unter diesen oder jenen Vorstellungen über die letzten Geheimnisse stehen, sondern diese Vorstellungen sind vom göttlichen Leben selbst in uns gewirkt. (Gertrud von le Fort)

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5. April 2019

DANK AN DIE NATUR
Man spricht heute viel davon, was der Mensch alles der Natur verdankt, wie sie im Laufe einer langen Entwicklung den Menschen mit seinen Anlagen und Fähigkeiten so hervorgebracht hat wie er jetzt ist, und sicher mit Recht auch, welche Verpflichtung wir haben, die Natur zu bewahren. Der Mensch wird dann häufig als bloßes Produkt der Natur betrachtet. Auch das individuelle Leben des Menschen ist dann ein bloß naturhaftes Geschehen, das seinen Ursprung im Schoß der Natur hat. Aber kann ich der Natur gegenüber dankbar sein?

„Dank ist (aber) nur im Raum der Freiheit möglich“, sagt Romano Guardini. „Dafür, dass die Sonne morgens aufgeht – wissenschaftlich ausgedrückt, dass die Erde zu ihr in eine Stellung tritt, die sie dem betreffenden Erdbereich sichtbar macht – danke ich nicht. Gewiss können an einem klaren Morgen sehr lebendige Empfindungen der Dankbarkeit erwachen, dass da so Machtvoll-Schönes geschieht. Das sind aber Antworten des Menschengeschöpfes an den, der alles geschaffen hat, oder aber Nachwirkungen aus der Zeit, als man die Sonne selbst als Numen (Gottheit) verehrte“
(Romano Guardini Tugenden, Dankbarkeit S.131, Tugenden).

Aus: Dankbarkeit als Quelle gelingenden Lebens von Joachim Heisel

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31. März 2019

KRISEN KÖNNEN CHANCEN SEIN
Ich beziehe mich auf das Matthäusevangelium, wo Christus davon spricht, dass man sein Lebens-Haus nicht auf Sand sondern auf Fels aufbauen soll. Von dem Haus, das nur auf Sand gebaut ist, sagt er: Als der Sturm kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört (Mt 7,24-27) . Wir neigen heute dazu, unsere Beziehungen, ja unser Leben auf Gefühlen aufzubauen (aus dem Bauchgefühl heraus zu leben). So erlebt man es immer wieder bei Paaren. Oft haben sie schon jahrelang zusammen gelebt haben und heiraten dann. Manchmal geschieht es, dass sie sich nach der Geburt des ersten Kindes oder nach beruflichen oder ehelichen Belastungen wieder trennen. Als Grund wird dann oft genannt, die Gefühle zueinander hätten sich geändert. Sie sehen nicht, dass die Krise ihnen die Chance bietet, in der Liebe tiefer zueinander zu wachsen und damit ein festeres und verlässlicheres Fundament zu schaffen. Erst die Krise kann die wirklich tragenden Elemente in dieser Beziehung schaffen. So kann die Wahrheit in dieser Beziehung etwa in der Verantwortung bestehen, die beide nun gemeinsam übernommen haben und nicht in schwankenden Gefühlszuständen, die sich ändern können.

Aus: Quellen von Resilienz und gelingendem Leben

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29. März 2019

Vor einiger Zeit erzählte mir ein Freund eine Geschichte von einem Ehepaar, die schon fünfzig Jahre verheiratet waren. Der Mann wurde schwer krank und musste von der Frau viele Monate gepflegt werden. Der Mann – es war sein Onkel – war wohl schon immer sehr wortkarg gewesen. Als es nun mit ihm auf das Ende zuging, sagte er einmal zu seiner Frau: Ich danke dir. Ich liebe dich..
Die Tante sagte dann bei seiner Beerdigung zu meinem Freund: Warum hat er das nicht schon früher einmal gesagt? – Unsere Zeit ist begrenzt und wir dürfen die Gelegenheiten zum Danken nicht verpassen. Der graue Star des Alltags kann uns blind machen für die Dankbarkeit, die wir den Menschen an unserer Seite schulden

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27. März 2019

DANKEN BEGINNT MIT DENKEN

Dankbarkeit ist ein positives Gefühl oder eine Haltung in Anerkennung einer materiellen oder immateriellen Zuwendung, die man erhalten hat oder erhalten wird.

Es sind manchmal die kleinen Gesten, die uns den Alltag erhellen können: Jemand hält uns mit einem Lächeln die Tür auf, wenn wir hindurchgehen wollen. Ein Autofahrer/in bleibt stehen, wenn er bemerkt, dass wir über die Straße gehen wollen, oder er oder sie wechselt uns Geld fürs Parken. Jemand lässt uns am Flaschenpfand-Automaten vor, weil wir weniger Flaschen haben als sie oder er. Es sind die tausend Zeichen des Dienstes und der Achtung voreinander, die unsere Zivilisation ausmachen. Für den Christen können auch die kleinen Dienste des Alltags eine tausendfache Reflexion der Worte Christi sein: Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein. Dankbarkeit verlangt immer nach konkretem Ausdruck. Ausdrucklos dankbar sein geht nicht. Das kann ein Lächeln sein oder eine Tat, eine Hilfe, ein Wort, das wir sprechen oder eine Geste. Dankbare Gedanken werden uns zu dankbaren Gesten inspirieren. Gemäß dem alten philosophischen Prinzip: Nihil est in actu, quod non prius erat in sensu. Nichts kommt zur Tat, was nicht vorher im Gedanken war.

Wir alle freuen uns, wenn sich jemand bei uns bedankt. Wir bemerken, wie eine Beziehung zu diesem Menschen entsteht und er aus der Anonymität heraustritt. In der Dankbarkeit nehmen wir den Anderen als Person wahr. So erinnere mich heute noch an eine Begegnung in Prag, als zum ersten Mal in meinem Leben eine junge Frau in der vollbesetzten U-Bahn aufstand und mir ihren Platz anbot, wobei das ja auch immer etwas ambivalent ist, wenn junge Frauen anfangen, einem ihren Platz anzubieten.Man denkt: Jetzt ist es so weit…

In der Dankbarkeit nehmen wir den anderen als Person wahr. Das gilt ganz besonders auch in der engsten menschlichen Beziehung, in Ehe und Familie oder etwa auch in einer Freundschaft. Wir sind enttäuscht, ja vielleicht sogar erbittert, wenn jemand, dem wir etwas geschenkt haben, eventuell sogar sehr viel geschenkt haben, sich dafür nicht bedankt. So erging es einem 80-jährigen Patienten von mir, der seinen beiden Enkelinnen einen großen Betrag geschenkt hatte und die sich dafür nicht bei ihm bedankt hatten. Der Patient war darüber sehr traurig, so dass er sogar in Tränen bei mir ausbrach.

Nicht erhaltener Dank ist eine Kränkung, die wir so leicht nicht verkraften können. Allerdings scheint Undank nicht selten zu sein. Das Sprichwort sagt ja: „Undank ist der Welten Lohn“ .

Aus: Dankbarkeit als Quelle für Resilienz und gelingendes Leben von Joachim Heisel

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25. März 2019

Stau und Kratzer am Auto

An einem Abend saß ich nach einem Vortrag über Indien noch mit der Referentin und einigen Freunden bei einem Glas Wein zusammen. Die Referentin hatte erzählt, wie sie als junge Frau Indien bereist und in Benares ein Erlebnis hatte, das ihr Leben nachhaltig veränderte: Sie saß, weil sie sich unwohl fühlte, etwas zusammengekauert auf den Stufen am Ganges, wo fromme Hindus zum Bad im Heiligen Fluss ihre Kleider ablegen. In der Nähe war eine Gruppe von Leprakranken. Da kam ein älterer Mann, der schon deutlich von seiner Krankheit gezeichnet war, zu ihr, legte ihr die Hand auf die Schulter und sagte: „Geht es Dir nicht gut, kann ich dir helfen?“. Sie sah zu ihm auf und war bewegt, dass ein elender kranker Mensch, ihr der jungen Europäerin, der es außer einer leichten Unpässlichkeit an nichts fehlte, seine Hilfe anbot. Als dann Polizisten kamen und die Leprakranken auf die Ladefläche eines Lastwagens trieben, sprang sie in einem spontanen Entschluss mit auf den Wagen. Sie musste dann erleben, wie diese Menschen ins Gefängnis gebracht wurden, um sie den Augen der Touristen zu entziehen.

Von Stund an widmete sie sich diesen Menschen und baute eine Hilfsorganisation für Leprakranke in Indien auf. – Als wir zu vorgerückter Stunde so zusammen saßen, schaute sie uns alle der Reihe nach an und sagte: Wenn sie morgens wach werden, rate ich Ihnen: Sagen sie erst mal drei Mal Hallelujah und bedanken sich, dass sie hier in Deutschland leben dürfen.

Ich musste an unsere ständige Nörgelei denken, über die Kratzer am Auto oder zu spät kommende Busse oder überfüllte U-und S-Bahnen, die uns das Leben schwer machen oder wie schlimm es ist, wenn wir im Stau stehen oder der böse Nachbar sich in unsere Einfahrt stellt.

Wir haben uns an viele Dinge gewöhnt, die nur für einen kleinen Teil der Menschheit selbstverständlich sind: unsere warme Dusche am Morgen, gutes Essen und Trinken, anständige Kleidung, Sicherung in Krankheit und Arbeitslosigkeit, Friede und Freiheit. Wenn ich das Licht einschalte, geht es auch tatsächlich an, es sei denn die Birne ist defekt oder es liegt ein Kurzschluss vor.

Es geht darum, dass wir uns bewusst machen, dass alle diese Dinge nicht selbstverständlich sind. Wir sollten uns angewöhnen, auch für die kleinen Dinge im Alltag dankbar zu sein, die oft unscheinbar daher kommen. Wir sollten wieder die Dankbarkeit für uns entdecken.

Aus: Quellen gelingenden Lebens von Dr. Joachim Heisel

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22. März 2019

Frühling lässt sein blaues Band wieder Flattern durch die Lüfte; süße wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll durchs Land… (aus dem Gedicht „Er ist`s“ von Eduard Mörike 1804-1875)

Es zwar noch nicht ganz soweit, nachts geht das Thermometer noch unter Null Grad, aber die Ahnung ist schon da: Der Frühling kommt, unaufhaltsam. Der Frühling, das Erwachen in der Natur, ist Zeit des Aufbruchs, neues Leben. Wir können wieder hinaus ins Freie. Wir kommen wieder mehr unter Menschen. Unser Körper spürt die neue Kraft der Sonne und unsere Hypophyse sendet Endorphine aus, die uns beschwingter durch den Tag gehen lassen. Wir können – auch mit Gottes Hilfe – Sachen anpacken, die wir schon lange vor uns hergeschoben haben. Das gibt uns neuen Schwung für unseren Alltag und unsere Beziehungen zu den Mitmenschen. Die Natur streift allmählich das braune Winterkleid ab und legt wieder Farben an. Und auch wir sollten wieder mehr Farbe in unser Leben bringen.

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17.März 2019

Viele Denker haben sich darüber geäußert wie wichtig Dankbarkeit ist. Für Cicero (106-43 v.Chr.) war die Dankbarkeit die Mutter aller Tugenden und eine Grundlage für jedes Staatswesen. Auch Georg Simmel (1858-1918), einer der Begründer der Soziologie, war überzeugt, dass Dankbarkeit eine der Voraussetzungen für den Bestand der Gesellschaft ist. Er sagte: Dankbarkeit ist gleichsam das moralische Gedächtnis der Menschheit, eine Brücke, welche die Seele immer wieder vorfindet, um bei der leisesten Anregung, welche sonst vielleicht nicht genügen würde, eine neue Brücke zu schlagen, über sie hin sich den andern zu nähern… Würde mit einem Schlage jede auf frühere Aktionen hin den Seelen verbliebene Dankreaktion ausgetilgt, so würde die Gesellschaft, mindestens wie wir sie kennen, auseinanderfallen.

Aus:Quellen gelingenden Lebens, Kapitel Dankbarkeit, von Dr. Joachim Heisel

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