27. März 2019

DANKEN BEGINNT MIT DENKEN

Dankbarkeit ist ein positives Gefühl oder eine Haltung in Anerkennung einer materiellen oder immateriellen Zuwendung, die man erhalten hat oder erhalten wird.

Es sind manchmal die kleinen Gesten, die uns den Alltag erhellen können: Jemand hält uns mit einem Lächeln die Tür auf, wenn wir hindurchgehen wollen. Ein Autofahrer/in bleibt stehen, wenn er bemerkt, dass wir über die Straße gehen wollen, oder er oder sie wechselt uns Geld fürs Parken. Jemand lässt uns am Flaschenpfand-Automaten vor, weil wir weniger Flaschen haben als sie oder er. Es sind die tausend Zeichen des Dienstes und der Achtung voreinander, die unsere Zivilisation ausmachen. Für den Christen können auch die kleinen Dienste des Alltags eine tausendfache Reflexion der Worte Christi sein: Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein. Dankbarkeit verlangt immer nach konkretem Ausdruck. Ausdrucklos dankbar sein geht nicht. Das kann ein Lächeln sein oder eine Tat, eine Hilfe, ein Wort, das wir sprechen oder eine Geste. Dankbare Gedanken werden uns zu dankbaren Gesten inspirieren. Gemäß dem alten philosophischen Prinzip: Nihil est in actu, quod non prius erat in sensu. Nichts kommt zur Tat, was nicht vorher im Gedanken war.

Wir alle freuen uns, wenn sich jemand bei uns bedankt. Wir bemerken, wie eine Beziehung zu diesem Menschen entsteht und er aus der Anonymität heraustritt. In der Dankbarkeit nehmen wir den Anderen als Person wahr. So erinnere mich heute noch an eine Begegnung in Prag, als zum ersten Mal in meinem Leben eine junge Frau in der vollbesetzten U-Bahn aufstand und mir ihren Platz anbot, wobei das ja auch immer etwas ambivalent ist, wenn junge Frauen anfangen, einem ihren Platz anzubieten.Man denkt: Jetzt ist es so weit…

In der Dankbarkeit nehmen wir den anderen als Person wahr. Das gilt ganz besonders auch in der engsten menschlichen Beziehung, in Ehe und Familie oder etwa auch in einer Freundschaft. Wir sind enttäuscht, ja vielleicht sogar erbittert, wenn jemand, dem wir etwas geschenkt haben, eventuell sogar sehr viel geschenkt haben, sich dafür nicht bedankt. So erging es einem 80-jährigen Patienten von mir, der seinen beiden Enkelinnen einen großen Betrag geschenkt hatte und die sich dafür nicht bei ihm bedankt hatten. Der Patient war darüber sehr traurig, so dass er sogar in Tränen bei mir ausbrach.

Nicht erhaltener Dank ist eine Kränkung, die wir so leicht nicht verkraften können. Allerdings scheint Undank nicht selten zu sein. Das Sprichwort sagt ja: „Undank ist der Welten Lohn“ .

Aus: Dankbarkeit als Quelle für Resilienz und gelingendes Leben von Joachim Heisel

Über joachimheisel

Joachim Heisel, Dr.med. Ich stamme aus Trier, studierte Medizin, Psychologie, Philosophie und Theologie in Bonn, Köln und München. Ich lebe seit 1978 in München und bin dort als Internist und Psychotherapeut in eigener Praxis tätig. Vor einigen Jahren gründete ich den Arbeitskreis "Psyche und Gesellschaft" und halte neben meiner beruflichen Tätigkeit Vorträge und Seminare zu Fragen der persönlichen Lebensbewältigung und zu gesellschaftlich relevanten Themen aus christlich-anthropologischer Sicht. 2010 erschien mein Buch "Hoffnung im Alltag", Editon die Nische ISBN 978-3-9812932-2-7 (www.edition-die-nische.de).
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