8. März 2019

DANKBARKEIT
Die amerikanische Familientherapeutin Wendy Mogel, die Verfasserin eines einflussreichen Buches über Kindererziehung, hatte viele Kinder in ihrer Praxis, die durch mangelnde Dankbarkeitshaltung und dauerndes Verlangen nach immer neuen Dingen auffielen. Sie empfahl den Eltern dieser Kinder neben persönlichem Beispiel an Dankbarkeit die Pflege einer Kultur des Sich-Bedankens innerhalb der Familie. Dadurch wachsen die Kinder nicht nur in der Haltung der Dankbarkeit sondern sie richteten den Fokus ihrer Aufmerksamkeit auf die Vorteile, die sie tagtäglich im Haus ihrer Eltern genießen. Das Kind müsse auch daran gewöhnt werden, Sehnsüchte auszuhalten, sagt Wendy Mogel, denn je weniger Spannung ein Kind aushalten muss, bis seine Wünsche erfüllt werden, desto geringer sei auch der Grad seiner Dankbarkeit oder seiner Frustrationstoleranz, wenn ein Wunsch unerfüllt bleibt. Auch sollten Kinder frühzeitig dazu angehalten werden, etwas für andere zu tun, z.B. dem kranken Freund einen Brief schreiben, wenn er nicht zum Spielen kommen kann und ihm gute Besserung zu wünschen. Ratschläge, die man getrost auch auf ein Erwachsenen-Leben übertragen kann.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

27. Oktober 2018

Hören wir noch die leise Stimme Gottes zwischen dem Surren der Computer, zwischen E-mails, Handys und Facebook, Fernsehen und Events. Sehen wir noch die Sonne, wenn sie morgens und abends auf- und untergeht? Wenn die Vögel zwitschern oder ein Kind uns anlächelt. Wir sind sehr beschäftigt. Uns bleibt wenig Zeit für solche Dinge, weil sie still sind und uns nichts bringen auf unserer Suche nach… was? Ja, was bringt uns zu soviel Eile in unserem Tag?

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

13. April 2018

Wenn ein Seelenarzt die Krankheitssymptome unserer Zivilisation zu diagnostizieren hätte, wäre der Befund einer weit verbreiteten Undankbarkeit keine Nebendiagnose. Schon Dostojewski beschrieb den Menschen als einen „undankbaren Zweibeiner“. Viele Menschen sehen sich heute vorwiegend als bloßes Produkt der Evolution. Als Teil der Natur verdanken sie sich selbst.Dankbarkeit gehört nicht zu ihrem Repertoire. Wem gegenüber sollten sie dankbar sein?

Wenn die Natur unser einziges Vorbild ist und wenn irgendwann der Firniss der säkularisierten westlichen Zivilisation abgeblättert sein wird, bestimmt der Kampf um die besten Weideplätze unseren Alltag. Wir werden unsere Mitmenschen nur noch als Artgenossen sehen, mit denen wir zur Erreichung gemeinsamer artspezifischer Ziele kooperieren können. Diese Menschen werden aber zu Konkurrenten, wenn es ums nackte Überleben geht.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

11. August 2017

Kraftwerk des Bösen
Angesichts der Ungeheuerlichkeit des Holocaust versagen menschliche Worte und auch die Gefühle sind überfordert. Es bleibt nur das Grauen. Und doch kann Gott auch hier noch wirken. Auschwitz und Theresienstadt waren „Kraftwerke des Bösen“. Aber Gott hat selbst aus den Gaskammern des Satans eine reine Flamme der Hingabe und des liebenden Opfers aufsteigen lassen. Bevor sie in die Gaskammer ging, sprach die hl. Edith Stein zu ihrer Schwester Rosa, die mit ihr zusammen in den Tod ging: „Komm, wir gehen für unser Volk.“ Woher nahm sie diese Kraft? In einem ihrer Bücher schreibt sie: „Kein Menschenherz ist je in eine so tiefe Nacht eingetaucht wie der Gottmensch (Jesus Christus) in Getsemani und auf Golgota. Aber Jesus kann auserwählten Seelen etwas von dieser äußersten Bitterkeit zu kosten geben. Es sind seine treuesten Freunde, denen er es als letzte Probe ihrer Liebe zumutet. Wenn sie nicht davor zurückschrecken, sondern sich willig hineinziehen lassen in die Dunkle Nacht, dann wird sie ihnen zum
Aus Hoffnung im Alltag von Joachim Heisel, erschienen 2010, erhältlich im Adamas-Verlag Köln

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

28. Juli 2017

Wann betest du?

Ein Freund, der in Uganda in einem Work-Camp beim Bau einer Schule mithalf, erzählte mir, wie einer der einheimischen Studenten einen Deutschen fragte: „Wann betest du?“ Den deutschen Studenten erstaunte die Frage. Offensichtlich war es für den Afrikaner aus Uganda selbstverständlich, dass ein Mensch betet. Uganda steht auf der Entwicklungsskala der Länder der Erde auf einem der letzten Plätze. Die Menschen dort, wo die Schule gebaut wurde, können sich noch nicht einmal Kerzen leisten. Wenn abends um sieben Uhr die Sonne innerhalb weniger Minuten untergeht, bleibt es dunkel bis zum nächsten Morgen. Diese Menschen spüren auf natürliche Weise, dass sie weder über Tag und Nacht noch über ihr eigenes Leben Herr sein können. Sie spüren, dass es jemanden über ihnen gibt, der ihr Leben bestimmt. Auch wir spüren in bestimmten Momenten, dass unser Leben nicht allein von uns abhängt.

Aus: Im Licht des Vaterunser von Joachim Heisel, Adamas-Verlag Köln 2015

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

12. November 2015

Die linke Hand Gottes
Viele Menschen in Deutschland, auch Katholiken, reagieren allergisch, wenn die Wahrheit oder die Heiligkeit der Kirche betont werden. Es ist eines der großen Verdienste von Johannes Paul II, dass er den Mut hatte, den Finger auf die historischen Wunden der Kirche zu legen. Gleichwohl hat er immer wieder betont, dass die Kirche nach den Worten des hl. Paulus „Braut Christi“ ist und somit in inniger Einheit mit Christus steht, der von sich gesagt hat: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6).
Die Deutschen sehen sich in der Kirche am liebsten auf Pilgerschaft. Vielleicht liegt es daran, dass Wotan der oberste Gott der Germanen ein Wandergott war. Auch heute fühlen die Deutschen sich am wohlsten, wenn sie unterwegs sind. Nicht umsonst sind sie
Reiseweltmeister.
Wenn man in die deutsche Geistesgeschichte schaut, scheint dies auch für den geistigen Bereich zuzutreffen. So schrieb der berühmte deutsche Philosoph Leibniz einmal, dass wenn Gott in seiner rechten Hand die ganze Wahrheit als Erkenntnis hielte und in der linken Hand den immerwährenden Drang danach, er Gott demütig bitten würde: „Vater, gib mir aus Deiner linken, die ganze Wahrheit ist zu viel für mich.“
Die moderne Wissenschaft lebt von der linken Hand Gottes. Aber vielleicht sollten wir jetzt auch fragen, was er in der rechten Hand hält. Vielleicht würde das Leibniz, wenn er heute lebte, auch tun − nach allem, was die Wissenschaft uns seither an Kollateralschäden beschert hat.
Jedes Tun des Menschen ist naturgemäß unvollkommen. Allein Gott vermag dem Menschen auf einer höheren, die Natur des Menschen übersteigenden Ebene die Vollkommenheit und Vollendung zu geben.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

29. Oktober 2015

Die Droge Geld
Das Markus-Evangelium schildert uns einen jungen Mann, der zu Jesus kommt und ihm als Jünger folgen will. Jesus fragt ihn, wie er bisher gelebt hat. Doch dann richtet er eine entscheidende Aufforderung an den jungen Mann, die sein ganzes Leben umkrempeln würde: „Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“ (Mk 10,21). Da ging der junge Mann traurig weg, heißt es, denn er war sehr reich. Da sagte Jesus zu den Umstehenden: „Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!“ (Mk 10,23).
Geld kann wie eine Droge sein. Es kann den Menschen in Beschlag nehmen und abhängig machen, so dass es sein ganzes Denken und Fühlen beherrscht. Gieriges Raffen verdunkelt den Horizont der Hoffnung auf unsere ewige Heimat bei Gott, die unser wahrer und endgültiger Besitz ist. „Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon“ (Mt 6,24).
Natürlich brauchen wir Geld. Aber wir sollen nicht dem Geld dienen, sondern es soll uns dienen. Mit Geld können und sollen wir uns und unsere Familien ernähren, nach Möglichkeit Gutes tun. Wir können sogar dem Ruf des Meisters folgen und ganz darauf verzichten.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

22. Oktober 2015

22. Oktober
Die anderen …
Das Zusammenleben mit anderen kann zur Qual werden. Die lästigen Angewohnheiten unserer Mitmenschen, vor allem derjenigen, mit denen wir eng zusammen leben, können uns dermaßen auf die Nerven fallen, dass wir anfangen, sie zu hassen. Wir können mit den Fehlern und Unzulänglichkeiten der anderen nichts anfangen. Permanent nagt es an uns, dass sie doch eigentlich nicht sein dürften, weil sie uns hindern, das Leben zu führen, das wir uns erträumen: ein freies Leben ohne Frustration und Schmerz nach unserem Gutdünken und wie es uns passt.
Aber Jahr um Jahr vergeht und es wird nichts daraus. Immer wieder hatten wir gehofft, sie würden sich endlich ändern. Dabei vergessen wir, dass wir uns eigentlich auch ändern müssen, denn auch wir fallen den anderen auf die Nerven.
In seiner Enzyklika Spes salvi gibt Papst Benedikt XVI. eine weitere Antwort: „Zu einer heute vielleicht weniger praktizierten , aber vor nicht allzu langer Zeit noch sehr verbreiteten Weise der Frömmigkeit gehörte der Gedanke, man könne die kleinen Mühen des Alltags, die uns immer wieder einmal wie mehr oder weniger empfindliche Nadelstiche treffen »aufopfern« und ihnen dadurch Sinn verleihen. … Diese Menschen waren überzeugt, dass sie ihre kleinen Mühen in das große Mitleiden Christi hineinlegen konnten, sodass sie irgendwie zu dem Schatz des Mitleids gehörten, dessen die Menschheit bedarf. So könnten auch die kleinen Verdrießlichkeiten des Alltags Sinn gewinnen und zum Haushalt des Guten, der Liebe in der Menschheit beitragen.“

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

15. Oktober 2015

Der Erlebnisstress
Stress entsteht, wenn man den gestellten Anforderungen nicht gewachsen ist oder sich ihnen nicht gewachsen fühlt. Heute fühlen sich viele Menschen trotz Arbeitszeitverkürzung und viel Freizeit den Anforderungen des Alltags nicht mehr gewachsen. „Die meisten Menschen verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben. Und das bisschen, das ihnen von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so sehr, dass sie alle Mittel einsetzen, um sie los zu werden“ (Ulrich Plenzdorf). Eine ganze Industrie lebt davon, solche Erlebnisse zu produzieren in Form von Lust, Spannung, Gefühlseindrücken und intensivem Erleben. Sie äußert sich aber auch als Lust auf Drogen, Sexualität oder Extremerfahrungen in Sport und Natur. Kontakte werden gekauft und organisiert. Sie sind nur auf den jeweiligen Zweck ausgerichtet, danach lösen sie sich wieder auf.
Die Perspektive einer solchen Gesellschaft geht nicht über den Tag hinaus. Sie reicht nur von einem Event zum nächsten. Der verletzlichste Teil der Gesellschaft, die Jugend, erstickt ihre Sinnleere in Drogen und Alkohol. Wer aber der Jugend keine Perspektive mehr bieten kann, die über den Tag hinausreicht, verliert nicht nur die Jugend sondern auch die Zukunft, denn ohne Hoffnung gibt es auch keine Zukunft. Sinn kann uns am Ende nur das geben, was über den heutigen Tag hinaus Bestand hat.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

8. Oktober 2015

Alltagsgespräche
Der Alltag ist die Grundlage unserer Kommunikation. Wir sprechen über das Wetter, die Arbeit, den Chef, die Familie oder den nächsten Urlaub. Wer an einem sonnigen Sonntagnachmittag, etwa der Isar entlang, spazieren geht, kann aus den Gesprächsfetzen der Vorübergehenden hören, dass es dieser Alltag ist, der uns pausenlos beschäftigt, wenn es nicht gerade ums Geld oder die Liebe geht.
Die Kommunikation über diesen Alltag solidarisiert uns untereinander und baut Spannungen ab. Was früher der sogenannte Kaffeeklatsch unserer Mütter war, hat geholfen, sich mit den Problemen nicht allein zu fühlen und auch die Probleme des Alltags miteinander zu teilen.
Solche Gespräche sind sehr wichtig. Sie bestätigen uns, dass wir beim großen Spiel des Lebens mit dabei sein dürfen. In vielen Fällen ersetzen sie den Therapeuten oder sonstige professionelle Berater.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen